Dr. Rolf Bosse zeigte im zweiten Aufriss die sozialpolitische Bedeutung des Wohnungsbaus auf. Es wurde deutlich, dass Wohnen weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf bedeutet. Es ist ein Grundrecht und ein wesentlicher Bestandteil sozialer Sicherheit. Dennoch wird Wohnen zunehmend als Ware und Kapitalanlage betrachtet. Unter dem finanzialisierten Modell gilt Wohnraum nicht mehr primär als Zuhause, sondern zunehmend als Vermögenswert.
Die Situation in Hamburg verdeutlicht diese Entwicklung besonders stark. Die Durchschnittsmieten nicht preisgebundener Wohnungen steigen stetig, während immer weniger bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Die Logik großer, finanzialisierter Wohnungsunternehmen führt zwangsläufig zu weiterem Mietenwachstum. Wohnraum wird zunehmend industrialisiert, digitalisiert und nach wirtschaftlicher Effizienz bewertet, anstatt sich an sozialen Bedürfnissen zu orientieren.
Wohnen ist zur neuen sozialen Frage geworden. Immer mehr Menschen können sich ihre Miete nicht mehr leisten, während wohnungspolitische und sozialpolitische Ziele zunehmend verfehlt werden. Dabei sind Wohnen und soziale Teilhabe eng miteinander verknüpft. Wohnungspolitik soll die Versorgung mit Wohnraum sicherstellen, Sozialpolitik die soziale Absicherung und Teilhabe ermöglichen. In der Diskussion wurde betont, dass es einen grundlegenden Paradigmenwechsel braucht. Nur durch eine sozial orientierte Wohnungspolitik kann das Ziel erreicht werden, Wohnen als Grundrecht für alle Menschen zu sichern.